Die Entwicklung und Erfinder der Schlittschuhe

SchlittschuheSchlittschuhe - seit Jahrtausenden ein cooler Evergreen

So einfach und uralt die Grundidee, so immer neu die Vielfalt der Möglichkeiten und Lösungen, die Menschen zu dieser genialen Art der Fortbewegung erfunden haben - und immer noch ständig erfinden und weiterentwickeln. Seit Jahrtausenden - seit so vielen, dass man gar nicht mehr sicher weiß, seit wie vielen genau perfektioniert der Mensch immer weiter eine einfache wie wirkungsvolle Idee - die Metamorphose vom Fuß zum viel tauglicheren Körperteil: zum Werkzeug Kufe, die sich wie eine Klinge zur schnellen, effizienten Bewegung nutzen lässt.

Einen Bogen hinweg über die Zeiten, die entwickelten Techniken und die Vielfältigkeit der Verwendungsmöglichkeiten dieser raderfindungs-genialen Idee möchte dieser Artikel spannen…

Historie der Kufenschuhe – oder heutigen Schlittschuhe

Weit im Dunkel der Zeit liegt der Erfinder, welcher heute nicht mehr sicher zu benennen ist - doch scheint diese Idee so alt zu sein wie das Rad. Einzig die Region der Erfindung scheint gesichert:

Mitteleuropa, Skandinavien und Russland - da wo das Eis den Menschen zwang, sich anzupassen. Manche Annahmen kursieren, diese Erfindung gehe sogar auf die Jungsteinzeit zurück - die ersten Funde sind Knochenkufen aus Tierknochen (Rentiere, Rinder, Pferde, Hirsche).

Die ersten konkreteren Jahres-Zahlen von Funden sind:

- 3000 v. Chr. in der Slowakei

- 2. und 3. Jahrtausend v. Chr. in der Schweiz und in Skandinavien

Weitere Verbreitung fanden Schlittschuhe dann im Mittelalter, als sie zeitgleich sowohl aus Tierknochen als auch bereits aus Eisen gefertigt ihre Verwendung fanden. Die erste schriftliche Erwähnung aus jener Zeit stammt von Mönch William Fitzstephen, der in einem Buch über Thomas Becket, den Erzbischof von Canterbury, schreibt: „…wenn die Moore in Finsbury und Moorfields gefrieren, läuft da die Londoner Jugend. Einige haben zu den Fersen Knochen befestigt und in der Hand halten sie einen beschlagenen Stock. Sie fliegen über das Eis wie Vögel oder geschossene Pfeile“.

Die mit Löchern versehenen Schlittschuhkufen wurden mit Lederbändern direkt an den Schuhen befestigt. Die Kufe mit Talg eingefettet, erhöhte deren Gleitfähigkeit und somit die Kraftersparnis.

In den Alpen verwendete man sogar Knochenkufen auf Sitzbrettern als einfache Knochenrodel.

Schlittschuhe mit Kanten gab es im Mittelalter noch nicht

Die Schlittschuhe des Mittelalters waren genauso wenig scharfkantig, wie ihre bronzezeitlichen Vorgänger von vor 4000 bis 5000 Jahren. Sie waren einfach nur breite Kufen, die dadurch einen merklich stabileren Stand ermöglichten als ihre modernen Nachfolger. Von Archäologen wird vermutet, dass sie anfänglich zum Zweck einer erleichterten und somit effektiveren Jagd eingesetzt wurden.

Bewegung kam in die Hardware-Technik und den Anwendungsstil, als im 13. und 14. Jahrhundert die Kufen aus Hartholz gefertigt wurden. Doch wie schon im Mittelalter bleib es bei einem Stock als Steuerhilfe, weil die breiten Kufen noch keine Kanten hatten und so nur eine durchgehend glatte Metallfläche auf dem Eis lag. Der Legende nach soll der Zufall genau das geändert haben.

Nun waren sie sehr viel schmaler, wenn auch noch nicht scharfkantig, was erst später hinzu kam.

Aus den Niederlanden wurde die Innovation überliefert, bei der für eine bessere Gleitfähigkeit mit einer Eisenscheibe an der Unterseite der Holzschuhe gesorgt wurde.

Ingenieur Zufall erfindet die scharfe Kante des Schlittschuhs

Ein Quantensprung in der Kufentechnik soll sich einer Anekdote nach durch den Irrtum eines Tischlerlehrlings ergeben haben: Die falsch ausgerichtete Anbringung des Kufenteils an den Schuh brachte die „scharfe Kante“ als neues Merkmal, welches auch den modernen Schlittschuh auszeichnet. - Und somit auch völlig neue Eigenschaften des Schlittschuhs und selbstredend auch neue Möglichkeiten seines Gebrauchs. Besonders die Stecken, die bisher zu Hilfe genommen wurden - sie waren nun überflüssig geworden, denn die scharfe Kante schnitt sich ins Eis und brachte so mehr Stabilität und Sicherheit und erhöhte die Schnelligkeit und Steuerbarkeit des Schlittschuhs.

In den Niederlanden wird Schlittschuhlaufen zum Volkssport

In den Niederlanden wurde das Eislaufen so zum Volksvergnügen.

Am Hof von Adligen oder Königshäusern - Eislaufen war modern, schick und elegant und somit recht adelskonform - und blieb so oftmals auch jenen vorbehalten.

Ludwig XVI., Napoleon I., Napoleon III. und das gesamte Haus Stuart werden als eislaufender Adel überliefert.Der erste Eislaufverein geht zurück auf das Jahr 1742 im schottischen Edinburgh. Seit jener Zeit wurde das sportliche Eislaufen in zwei Disziplinen unterteilt: Eisschnelllauf und Eiskunstlauf.

Vorerst gibt es die „Disziplinen“ Eisschnelllauf und Eiskunstlauf

Der Amerikaner Jackson Haines gilt als der Begründer des modernen Eiskunstlaufes. Er stellte sowohl einen neuen Typ von Schlittschuhen aus Stahl vor als auch setzte er mit seinen neuen gewagten Tanzeinlagen neue Maßstäbe in der Ausführung und den Möglichkeiten dieses damals neuen Sportes. 1868 lief Haines in Wien einen Walzer über das Eis. Dies war die Initialzündung für die Gründung der Wiener Eislauf-Schule. Die erste Weltmeisterschaft gab es 1896 in St. Petersburg. Seit den Olympischen Spielen 1908 ist Eiskunstlaufen ein  Klassiker - und das obwohl es damals noch gar keine gesondert ausgetragenen Winterspiele gab.

Zähne revolutionieren den Eiskunstlauf

Der Sprung in den modernen Stil des Schlittschuhlaufens kam Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Schwede Ulrich Salchow einen Eiskunstlauf mit modernem sportlichen Charakter gründete.

Sein technischer Clou: Schlittschuhe mit Zähnen.

Ein stärkeres Abstoßen bei Sprüngen war damit möglich und so wurde er 1908 der erste Olympiasieger im Eiskunstlauf.

Der Salchow-Sprung gehört heute zu den sechs Grundsprüngen.

Die Eröffnung des Sportpalastes in Berlin 1910 mit einer Eisfläche von 60 mal 40 Meter, brachte ein schnell wachsendes Publikumsinteresse sowie eine schnell anwachsende Anzahl von professionellen Eisläufern. Hier ist besonders Werner Rittberger zu nennen, dessen Name einen weiteren der sechs Grundsprünge ziert. Katarina Witt als zweimalige Olympiasiegerin, viermalige Weltmeisterin und sechsmalige Europameisterin steht herausragend beispielhaft für den heutigen modernen Eiskunstlauf.

Welche Schuharten gibt es nun für die sich herausgebildet habenden Varianten den Schlittschuhlaufens - Eiskunstlauf, Eishockey und Eisschnelllauf?

Eiskunstlauf Schlittschuhe

Eiskunstlauf-Schlittschuhe haben wadenhohe Schnürstiefel mit 3–4 mm dicken Stahlkufen.

Ein Hohlschliff in Querrichtung sorgt für die scharfe Kante, die den Schlittschuh sich in das Eis einschneiden lässt - und somit für Stabilität und Ausrichtbarkeit sorgt…

Die leichte Krümmung in Längsrichtung erhöht die Wendigkeit und Steuerbarkeit des Schlittschuhs. Die Spitze vorne weist gezackte Ränder auf. - Diese erzeugen die Stichfestigkeit, die der Schlittschuh haben muss, um dem Läufer eine starke Kraftübertragung auf das Eis zu ermöglichen - zur Ausführung der Sprünge, zum sicheren Zentrieren der Pirouetten und Festigen der Schritte.

Eishockey Schlittschuhe

Leder und eine vollständig aus verchromtem Stahl gefertigte Kufe waren

bis in die 1980er Jahre kennzeichnend für Eishockey-Schlittschuhe.

Meist hochwertige Kunststoffe (wie Kevlar, Kohlefasersohlen, Spezialkunststoffe) sind die nach dem Leder in Gebrauch gekommenen modernen Materialien - mit zusätzlichem Fersen-Schutz respektive der Achillessehnen. Geblieben ist die Form des bis über das Fußgelenk reichenden passgenau gearbeiteten Schnürstiefels selbst. 650 bis 800 Gramm pro Schuh gelten als durchschnittlicher Richtwert. Auch hier finden sich 5 mm dicke Stahlkufen mit Hohlschliff in Querrichtung und einer leichten Krümmung in Längsrichtung.

Nieten verbinden die Kufen mit dem Stiefel. Da Eishockey-schlittschuh-kufen eine hohe Wendigkeit aufweisen müssen, sind sie kürzer als die auf Geschwindigkeit getrimmte Eisschnelllaufkufen.

Bestimmend für eben jene Wendigkeit sind der sogenannte Rocker und der Hohlschliff der Kufen.

Der sogenannte „Rocker“ bezeichnet die Länge der Aufstandsfläche, die aus der Längskrümmung resultiert. Ist die Aufstandsfläche kürzer, wird der Schlittschuh wendiger aber auch instabiler gegen Kipp-kräfte nach vorn und hinten. Schlittschuhe für Eishockey-stürmer zeigen kürzere Rocker, so dass der Läufer durch möglichst enge Kurven schneller Richtung und Taktik wechseln und so mit Überraschungseffekten punkten kann.

Verteidiger verwenden Schlittschuhe mit längeren Rockern um über eine erhöhte Standfestigkeit zu verfügen und sich so kräftiger dem Gegner in den Weg stellen zu können.

Der Radius des Hohlschliffs - das verborgene Detail, das es in sich hat

Die Kufen weisen einen Hohlschliff in Querrichtung auf, so dass eine Rinne in der Kufenkante in Längsrichtung entsteht. Eine zum Schuh hin gewölbte Kreislinie verbindet nun beide Kanten - so entstehen zu beiden Seiten der Kufe je eine scharfe Kante, die sich beim über das Eis Gleiten in das Eis einschneiden. - So entstehen Stabilität und bessere Kraftübertragung.

Je kleiner nun der Radius des Kreises, der mit jener Schliffkante übereinstimmt, desto schärfer ist die Kufe. Die Wahl des Radius orientiert sich nun am Gewicht des Spielers, der angestrebten Fahrweise und der vorliegenden Eishärte. (Hier gilt: je weicher das Eis, desto größer sollte der Schliff-Radius sein. - Das heißt: desto flacher der Bereich zwischen den Kanten - und desto geringer die Schärfe derselben.)

Eisschnelllauf Schlittschuhe

Eisschnelllauf-Schlittschuhen reichen die Schnürschuhe nur bis unterhalb des Fußgelenks und sind aus Ziegenleder gefertigt. Sie zeichnen sich durch besonders lange Stahlkufen aus, die daher auch auch scherzhaft „Brotmesser“ genannt werden, was bei einer Länge von etwa 38 bis 45 Zentimeter durchaus auch nicht verwundert. Die schwache Krümmung in Längsrichtung, soll lediglich ein „Eingraben“ der Kufe in das Eis verhindern, trotzdem aber den Schlittschuh so richtungsstabil wie möglich halten - wobei der Geradeauslauf durch die besondere Länge der Kufen stabilisiert wird.

Die Spitze der Kufen ist lediglich gerundet (nicht gezackt, wie beim Eiskunstlaufen zum rückseitigen Abstoßen) - denn beim Eisschnelllauf wie beim Eishockey stößt sich der Sportler nach hinten schräg ab, wobei zur maximalen Kraftübertragung die Kufe in ganzer Länge mit der Eisfläche festen Kontakt hält. So haben die Kufen hierfür eine Dicke von etwa 1,3 bis 1,5 Millimetern, was das Einschneiden ins Eis in der Querstellung erleichtert,

während die Lauffläche einen Planschliff aufweist und somit die größtmögliche Geschwindigkeit auf dem Eis ermöglicht. Spitzen-Sportler können auf Eisschnelllauf-Schlittschuhen über Kilometer bzw. Minuten eine Geschwindigkeit von 45 km/h, im Sprint kurzzeitig bis über 60 km/h erreichen.